Montag, 16. April 2007

Ich trage Erinnerungen an mir.

„Sommer ist und kein Herbst dahinter...“
Die Sonne, brennende Schlampe am Himmelzelt, kitzelt wieder.
Sie kitzelt mir Heuschnupfenlangzeitallergiker in der Nase. Sie kitzelt Stubenhocker aus ihren Stuben. Sie kitzelt kleine Teeniemädchen, bis sie über jeden doofen Witz und süßen Boy lachend an der Straßenecke stehen. Sie kitzelt die Melancholie aus mir heraus, fördert sie zu Tage, führt sie an Licht und wärmt sie dort.

Die Sonne brennt und mit ihr meine Wenigkeit. Ich sitze hier und denke daran, dass ich jetzt gerne dort wäre, wo ich nicht bin, wenigstens für ein paar Tage. Am Nordpol, die Kühle genießen. Wieder in Spanien, auf Teneriffa, Eiswürfel lutschen. In dem kleinen Ort, den man leicht übersieht, um dort auf meiner Bank zu sitzen. Wenigstens für ein paar Tage.

Als ich heute morgen in den Spiegel schaute, musste ich feststellen, dass ich Erinnerungen an mir trage, aus diesem alten, mir so sehr verhassten Heimatdorf. Die Hose, die ich trage, kaufte ich mir 1998, weil sie so tiefe Taschen hat. Eine wichtige Voraussetzung für geplanten Ladendiebstahl, den ich und einige andere so fleißig zelebrierten. Wir hatten alles, was wir brauchten und von alledem zuwenig. Es ging um Kicks, die gesucht und gefunden werden mussten, weil sie so schmerzlich fehlten. Ein alltägliches Problem der Dorfjugend. Ich trug sie im Sommer 1999, als ich mit Meki, Robert und Steffi und einem SchüFeTi in den HeidePark fuhr. Auf dem Rückweg ein Lebkuchenherz im Rucksack, das langsam vor sich hin schmolz, weil ich zu schüchtern war, es zu überreichen.
Das Shirt, dieses alte, abgetragene NoFX-Shirt, trug ich, als ich das erste Mal ein Polizeirevier von innen sah. Und es war sicher nicht Tag Der Offenen Tür. Es ist mittlerweile verblasster als vor zehn Jahren, und irgendwie ist es mir mittlerweile zu groß (damals stand ich ja auf diese XL-Shirts).
Das Hemd, das ich trage, habe ich mit 14 meinem Vater aus dem Schrank geklaut, weil ich es fesch fand, wenn es mir lasziv offen durch die Gegend weht und meine Bandshirts offenbart. Das tut es immer noch.
Die Sonnenbrille, die in der Hemdtasche steckt, ... keine Ahnung, wo die her ist; auf jeden Fall besaß ich sie schon in Astfeld. Hab ich sicher irgendwann mal irgendwo geklaut.
An meinem rechten Unterarm befindet sich eine Narbe, genau neben meiner Tätowierung. Das Tattoo ist neu, die Narbe alt. 1991 (Herbst), auf dem Spielplatz von einem Zaun genau auf eine Betonplatte gefallen. Rechter Arm gebrochen, Elle und Speiche vollkommen durch. Ein offener Bruch. Ich stand unter Schock ob meines in einer ungewöhnlichen Stellung abstehenden Unterarms; ich fühlte keine Schmerzen und fand es sogar cool, mit den Fingern meiner linken Hand in die offene Wunde zu fassen und meinen Knochen zu berühren. Wer von Euch kann schon behaupten, mal seine eigenen Knochen berührt zu haben?
An meinem linken Unterarm befindet sich eine vernarbte, schlecht verheilte (damals offene) Wunde, nachdem ich 1999 für eine Netzwerk-Session in Mekis Keller mit Marc-Andrés Fahrrad zu mir nach Hause fuhr um noch Kabel zu holen und auf den letzten zehn Metern einen stuntreifen Sturz mit dem viel zu kleinen Fahrrad hinlegte. (Fürs Protokoll: Ich rutschte mit dem rechten Fuß vom Pedal und kam auf den Boden [wie bereits erwähnt: Das Fahrrad war viel zu klein], das Fahrrad rollte mit mir weiter, mein sich auf dem Boden befindliches Bein zog mich nach hinten, das Pedal drückte in die rechte Wade, ich hatte Schlagseite nach rechts, versuchte mich durch eine Bewegung des linken Beines in der Luft zu stabilisieren und die Situation zu retten, geriet mit der linken Ferse in die Speiche, verdrehte mir das linke Bein, das Fahrrad stoppte abrupt, warf mich vornüber und ich bremste mit Gesicht und den linken Gliedmaßen. Blut aus der Nase, Blut aus dem Mund, Blut aus dem linken Unterarm, Blut aus dem linken Knie.) Unglaublich, dass man sich an so etwas noch so detailliert erinnern kann, obwohl es eine Sache von Sekunden war. April 1999.
An meiner Lippe befindet sich eine Narbe, die ich mir zuzog, als ich mit vier Jahren die Kellertreppe hinunterfiel. Vielleicht war ich auch drei, die Jahreszahl könnt Ihr Euch selber ausrechnen. Ich bin zu faul dafür.

Verdammt, was ist aus Hannover?
Die Tätowierungen, keine Frage.
Die Narbe am linken oberen Nasenflügel, als mir der Deckel einer großen Mülltonne vor fünf Wochen fast meine Nasenwurzel zertrümmerte. Ist mir einfach ungefragt zurück ins Gesicht gefallen, hat geblutet wie Sau und eine Narbe hinterlassen. Aber die ist bei weitem nicht so cool wie eine Narbe, die man bei einem Sturz vom Zaun, von der Treppe oder vom Fahrrad erhält.
Schade.

Letzte Anmerkung:
So unspektakulär das Zuziehen eben jener Nasennarbe ist - die Sache, wie sich Butzzze vor Jahren in Astfeld den Arm brach, ist noch viel uncooler.


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